Update: Das ging aber schnell. Nicht einmal ein Wochenende lang hielt die Idee der ARD, Xavier Naidoo als Vertreter Deutschlands zum ESC 2016 zu schicken. Man sei überrascht gewesen ob der „Wucht der Reaktionen“? Unter welchem Stein haben den die Verantwortlichen die letzten Monate zugebracht? Jetzt also doch nicht Naidoo- damit wäre der Weg ja frei für die Kassierer 🙂 Derweil kann man sich darüber streiten, ob denn nun der Rückzug schlimmer als die Nominierung gewesen sei und ob die Kritik an der Nominierung eine moderne Form der Inquisition gewesen wäre. Gut getan hat die ganze Sache aber mit Sicherheit keinem der Beteiligten…


 

Deutschland sei kein freies, sondern ein besetztes Land, weil die 2+4-Verträge kein Friedensvertrag wären. Diese lustige These vertreten viele der sogenannten „Reichsbürger“, eine Gruppe von Aluhutträgern, die der festen Überzeugung sind, die Bundesrepublik Deutschland wäre irgendwas, nur kein Land. Es herrscht in dieser Szene keine Einigkeit darüber, ob Deutschland nun besetzt, eine GmbH oder irgendeine seltsame Verwaltungsorganisation der Besatzungsmächte sein soll, aber einig ist man sich, dass das „Deutsche Reich“ noch irgendwie weiter existieren würde. Man kann diese Verschwörungstheoretiker lustig finden, zumindest teilweise sind sie aber mit Sicherheit gefährlich. Wer sich über die Thesen dieser Menschen informieren will, der sollte sich das kostenlose eBook „Vorwärts in die Vergangenheit“ mal anschauen.  Was das mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat? Nun, Xavier Naidoo soll Deutschland nächstes Jahr vertreten - obwohl dieser Mensch durch Aussagen und Auftritte eine gewisse Nähe zu dieser Reichsbürgerbewegung demonstriert hat…

Euovision-Song-Contest-2016

Da stellt sich doch automatisch die Frage: Für welches Land will denn der Xavier Naidoo dann antreten, wenn Deutschland doch seiner Meinung nach gar kein freies, sondern ein besetztes Land sei? Beantwortet hat er die Frage natürlich nicht. Beim NDR hat wohl auch keiner gefragt, als man beschlossen hat dieses Mal auf einen Vorentscheid zu verzichten und direkt Naidoo ins Rennen zu schicken.

Man kann nun zum ESC stehen wie man mag, mich persönlich tangiert diese Veranstaltung maximal am Rande. Und auch die Auswahl durch einen Vorentscheid mag nicht immer unbedingt immer perfekt gewesen sein. Aber es gab wenigstens einen Vorentscheid. Dieses Mal wird nun also einfach mal vom NDR der Herr Naidoo ausgewählt Deutschland zu vertreten (oder wen oder was der Herr Naidoo auch immer glaubt dann zu vertreten) und - oh Überraschung - von verschiedenen Seiten wird diese Entscheidung nun deutlich kritisiert. Ich würde sagen: mit Recht. Klar, der Mann ist ziemlich erfolgreich als Sänger (auch wenn viele seinen Gesang als Rumheulerei bezeichnen, rein technisch gehört das auch in die Kategorie „Gesang“) und so, aber ernsthaft? Bei der Menge an Vorwürfen gegen ihn, den fragwürdigen Aussagen, die er da getätigt hat von wegen Deutschland wäre ein besetztes Land, die Darstellung der 9/11-Terroranschläge in New York wäre unwahr und dass er sich den sog. Reichsbürgern zugehörig fühlt?

Naidoo erklärte, er spreche zu den „Menschen der Mahnwachen und zu den Menschen, die sich ‚Reichsbürger‘ nennen, weil es sind alles Systemkritiker so wie ich“  (Quelle)

Echt jetzt NDR, da zieht wohl ein Exkrementunwetter auf, auch Shitstorm genannt und den habt ihr euch mit der bescheuerten Entscheidung redlich verdient. Wirklich. Ach ja, eine entsprechende Petition gegen diese Entscheidung gibt es natürlich auch schon.