Apple-Music

Seit Apple am Montag - wie erwartet - den eigenen Musik-Streaming-Dienst Apple Music vorgestellt hat, wird über Apple Music selbst und wieder mal verstärkt ganz grundsätzlich über das Thema diskutiert. Ganz abseits der Frage, ob Apple Music nun ein Spotify Klon, einfach nur ein weiterer Streaming-Dienst oder die Neuerfindung des Streaming darstellt. Das ist eine Geschmacksfrage, über die man lang und breit diskutieren kann, wenn man das möchte.

Viel interessanter dürfte aber die Frage sein, ob sich mit dem Einstieg Apples in den Markt etwas an der Vergütungssituation für die Musiker ändern wird. Denn bislang sind die Musiker nicht gerade durch üppige Ausschüttungen belohnt worden, ganz im Gegenteil. Geradezu lächerliche Beträge landen am Ende bei den Musikern, obwohl zum Beispiel Spotify doch den größten Teil der Einnahmen nach Steuern an die Labels ausschüttet und selbst ständig Miese macht. Das Ende von Simfy hat auch gezeigt, dass es offensichtlich nicht ganz einfach ist, in diesem Markt Geld zu verdienen. Aber wo bleibt das Geld?

Wenn man die Zahlen aus dem Sony-Spotify-Vertrag zugrunde legt und das mit verschiedenen Aussagen von Musikern vergleicht, wie viel Geld sie am Ende vom Streaming bekommen, dann scheint der dickste Brocken bei den Labels, Vertrieben und deren Dienstleistern hängen zu bleiben. Man könnte den Eindruck bekommen, dass vom Streaming nur die Nutzer und die Verwerter der Rechte profitieren, aber nicht die Musiker und die Streaming-Anbieter. Wie genau es wirklich aussieht ist aber von aussen nicht wirklich leicht zu beurteilen und es ist nicht zu erwarten, dass in dem Markt plötzlich die große Transparenz-Offensive einziehen wird.

Nach allem, was bislang bekannt geworden ist wird Apple für Apple Music einen vergleichbaren Anteil der Einnahmen direkt an die Labels überweisen und da die Preise - vom Familien-Account abgesehen - gleichauf mit Spotify liegen, ist von der Seite aus keine spürbare Verbesserung der Einnahmen der Musiker zu erwarten. Zumindest nicht der Einnahmen pro Stream, die Gesamteinnahmen dürften durchaus steigen, da Apple mit 800 Millionen iTunes-Kunden, die Kreditkartendaten hinterlegt haben, ein ziemliches Potential besitzt, Abos zu verkaufen. Denn wer bereits iTunes nutzt, dem wird es nicht schwer fallen, auch direkt bei Apple ein Streaming-Abo abzuschließen. Die Gesamteinnahmen dürften damit deutlich nach oben gehen - zumindest für die viel gestreamten Künstler.

Dazu kommen zumindest mal zwei deutliche Vorteile für die Nutzer von Apple Music gegenüber Spotify: Zum einen sind die Familien-Accounts bei Apple deutlich günstiger und zum anderen erlaubt Apple bis zu 100.000 Songs offline zu speichern, dagegen sind es bei Spotify nur 10.000. Zwar mögen für die meisten selbst 10.000 offline gespeicherte Songs nur eine theoretische Grenze darstellen, aber Apple steht da natürlich mit dem vermeintlich besseren Angebot da. Auf der anderen Seite liegt Spotify bei der Verfügbarkeit für Devices und Betriebssysteme deutlich vorne.

Und dann gibt es noch einen kleinen, unscheinbaren Link bei Apple Music, der für neue Einnahmen sorgen könnte: Kaufen. Im Gegensatz zu Spotify gibt es bei Apple Music die Möglichkeit einen gehörten Song direkt und unkompliziert zu kaufen, also dauerhaft in der eigenen Bibliothek zu speichern. Für die meisten Streaming-Nutzer mag das nicht unbedingt eine nahe liegende Idee sein, für andere Musikfans, die auch daran denken vielleicht irgendwann kein Streaming-Abo mehr haben zu wollen, dagegen schon. So könnten die ersten drei Monate kostenlose Testphase (in der die Labels auch kein Geld überwiesen bekommen) mit der Apple den Dienst zum 30. Juni startet, für einen gewaltigen Schub bei den Verkäufen sorgen durch iTunes-Nutzer, die den neuen Dienst einfach mal testen und anfangs vielleicht gar nicht vorhaben, diesen über den Testzeitraum weiter zu nutzen…

Apple Music wird wohl weder die Musikindustrie retten, noch bisher arme Musiker plötzlich reich machen, aber es wird mit Sicherheit mehr Geld ins System pumpen. Aber das wird den Musikern nicht viel bringen, wenn sie nicht größere Anteile aus dem Streaming-Geschäft mit ihren Labels aushandeln.

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