Nachdem ich mich im mit Baustellen übersäten Mannheim mit Hilfe meines zugegebenermaßen etwas veralteten Navi mindestens dreimal verfahren hatte, gelang es mir gegen 20.10 doch noch in die alte Seilerei zu kommen.
Durstig wie ich war - es gelang mir in der gut gefüllten Halle nicht den Getränkestand ausfindig zu machen - stellte ich mich an den für Musiker üblichen „Platz hinterm Mischpult“ und sah mir zuerst noch skeptisch die Vorband Dead City Ruins an.
Der erste Song den ich zu hören bekam klang ein wenig konfus für meine Ohren, was aber sicher am vorhergehenden ständigen „wenn möglich bitte wenden“ (auf der 4-spurigen Bundesstrasse!) lag...

Die aus Melbourne stammende Band schaffte es in den vorderen Reihen ordentlich anzuheizen. Die Gitarrenriffs klangen zwar teilweise wie schonmal gehört (Anleihen an Metallicas „Seek and Destroy“ sind z.B. unüberhörbar) aber es klingt Dank des bärtigen Shouters schon ein wenig eigenständig.
Jedenfalls boten DCR eine energiegeladene Show und haben durchaus Potential. Eins sei noch gesagt: Die Band hat keinen Plattenvertrag, kein Label und kein Management. Respekt!

Ugly Kid Joe - 18.11.2013 - Mannheim - Foto: JoergNach einer ca. 20 minütigen Umbauphase (ich hab den Getränkestand vorne links nun entdeckt und hab mir ein schönes Plätzchen in der 2. Reihe vorne rechts erkämpft) gehen die Lichter aus und es kommt hochgradig nervige Hup Hop „Musik“ aus den Boxen. Rowdies rennen ungeheuer wichtig mit Taschenlampen rum und - ENDLICH - es geht los: Ugly Kid Joe!!

Laut, frech und wild herum hüpfend präsentiert sich die Band, die Stroboskopblitze sind ein wenig nervig, aber nachdem der erste Song vorbei ist und es mit „Neighbour“ weitergeht wird mir klar, dass UKJ es immer noch drauf haben die Menge mitzureißen. Auch mich? Mal sehen…
Sänger Whitfield Crane schafft es das Publikum allein durch seinen Blick mitzureißen. Man hat ständig das Gefühl, er schaut jedem einzelnen direkt in die Augen um ihm zu sagen: „Auch du… HÜPF!!!“

Ugly Kid Joe - 18.11.2013 - Mannheim - Foto: JoergDie Band bringt ihre Songs mit ungeheuerer Intensität an den Mann und es ist unglaublich welche Action da auf der Bühne abgeht. Bei „Cats in the Cradle“ singt der komplette Saal mit und die Stimmung flacht bis zum letzten Song vor der Zugabe „God Damn Devil“ nicht ab.
Aber was ist das? Die Band geht nicht von der Bühne, sondern die Musiker bleiben wie versteinert stehen und warten die „Zuu-gaa-be !“-Chöre ab… Geile Idee!
Als Zugabe gibt’s das obligatorische „Everything About You“ und jetzt hält es auch den letzten nicht mehr und er hüpft mit!! Ja, ich hab's getan…
Mit Motörheads „Ace of Spades“ verabschieden sich Ugly Kid Joe dann vom jubelnden Publikum.

Skid Row - 18.11.2013 - Mannheim - Foto: JoergNach 20 weiteren Minuten ist es dann soweit: The Ramones' „Hey Ho, Let's Go“ dröhnt als Intro aus den Boxen, das Licht geht an und es ertönt das Intro-Riff zu „Big Gnus“… ich kanns nicht fassen Skid Row, meine Helden der Late 80ies! Skeptisch höre ich mir natürlich zuerst den den Mann am Mikro, Bach-Nachfolger Johnny Solinger, an, um schon nach dem ersten Song festzustellen, dass der Mann seinen Job hier einfach super macht. Er trifft mühelos jeden Ton, singt sich souverän durch die komplizierten Gesangspassagen und wenn man die Augen schliesst hat man das Gefühl, es hätte sich nichts verändert.

Jetzt heißt's erstmal: „Vergiss Bach und auch, dass du selbigen schon die ganze Zeit musst“ and enjoy the show!! „Making A Kess“, danach „Piece of me“ knallen mordsmäßig. Die Gitarristen Snake Sabo und Scotti Hill sind unglaublich gut drauf und suchen ständig den Kontakt mit dem Publikum. Zwar sehen beide nicht mehr so taufrisch aus, aber sie blasen einen einfach nur weg. Ein eingespieltes Team, das vor Spielfreude nur so strotzt…Hammer!!

Skid Row - 18.11.2013 - Mannheim - Foto: JoergBei „18 and life“ kann ich mich nicht mehr halten (keiner konnte das glaube ich). Selbst mein 16 jähriger „Mitfahrer“, der auf der Hinfahrt noch sagte „Skid Row ist nicht Skid Row ohne Bach!“ fängt an zu singen und meint „Papa… der Sänger ist wirklich geil!“. Die komplette Band kommt so dermaßen nett rüber, daß man meint, da vorne stehen Kumpels.

So geht’s auch bei den neueren Nummern „Tick is The Skin“ und dem aktuellen „King of Demolition“ mächtig zur Sache. Der betont coole Basser Rachel Bolan singt das obligatorische Ramones-Cover „Psycho Therapy“ bevor Solinger (ja, merkt euch den Namen!!) für das vom Publikum frenetisch gefeierte „I Remember You“ auf die Bühne zurückkommt. Gänsehaut pur und ich fühle mich nun vollends in die 80er zurückversetzt. Als letzten Song vor der Zugabe hauen Skid Row den begeisterten Zuhörern „Monkey Business“ um die Ohren. Da will man doch noch nicht aufhören!

Skid Row - 18.11.2013 - Mannheim - Foto: JoergAls Zugabe gibt’s „Slave to the Grind“ und nach der Ansage in bester Bach-Manier, die heute noch in meinen Ohren klingelt - „No matter how old we are, we will always be the YOUTH—GONE—WIIIIIILD“ - geht’s sows von ab! Unglaublich!

Sorry für's Schwärmen, aber ich war und bin immer noch total begeistert. Die Intensität und die Spielfreude hätte ich nach all den Jahren von Skid Row nicht erwartet... Hut ab!! Das war ganz großes Kino!! Und noch eins: Skid Row sind auch mit Johnny Solinger Skid Row. Keiner der Konzertbesucher mit denen ich geredet hatte hat an dem Abend einen Sebastian Bach vermisst.

Ich hab mich auf der Rückfahrt übrigens nicht verfahren. Ich lese jetzt auch wieder ohne Brille, denn ich hab nach dem Abend 'ne Verjüngungskur hinter mir :)

P.S.: Eins sei noch erwähnt: Beide Hauptamts haben während Ihrer Show das Publikum darum gebeten die Supportband Dead City Ruins zu unterstützen. Das würde ich mir von einigen anderen Acts auch wünschen. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen!

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