Musik-Streaming ist so eine Sache: Für die Nutzer ist es großartig für einen relativ kleinen Monatsbeitrag oder kostenlos und werbefinanziert ständigen Zugriff auf Unmengen an Musik zu haben, viele Künstler sind dagegen nicht so begeistert, da ihrer Meinung nach zu wenig Geld bei ihnen ankommt. Dagegen könnte man nun eine Studie aus Norwegen anführen, die zeigt, dass dort der illegale Download von Musik von einem Massenphänomen zu einer Ausnahmeerscheinung wurde.

In Auftrag gegeben wurde die Studie vom norwegischen Musikindustrie-Verband IFPI Norge, also einem der Verbände, von denen man bisher eher alarmierende Meldungen vom Ende der Musik durch illegale Downloads gewohnt ist. Die Studie vergleicht zum Beispiel das Nutzungsverhalten von Norwegern unter 30 von 2009 mit 2014. Während bei der Umfrage 2009 noch 80% der Befragten angaben sich Musik auch aus illegalen Quellen zu besorgen, waren es 2014 nur noch 4%. Stattdessen nutzen die Norweger jetzt offensichtlich lieber Streamingdienste. 80% der Befragten gaben 2014 an, dass Streamingdienste ihre primäre Quelle für Musik seien.

MBWNorway

Diese Entwicklung ist auch an den Umsatzzahlen der Branche zu sehen. Zwar ist der Gesamtumsatz der norwegischen Musikindustrie seit 2009 nicht wesentlich gestiegen - von 592 auf 601 Millionen Kronen - ist der Anteil daran aus dem Digitalgeschäft gewaltig gewachsen: von 89 auf 515 Millionen Kronen.

Norwayvalue

Interessant ist auch die Verteilung der Umsätze auf die verschiedenen Distributionskanäle. Von 2013 auf 2014 ist der Anteil von Streamingdiensten von 66 auf 75% gestiegen, fast ausschließlich zu Lasten der physikalischen Distributionskanäle, deren Anteil von 22 auf 14% geschrumpft ist. Relativ konstant sieht es - noch - bei den Downloads aus.

Norwaycharts

Überraschend ist diese Entwicklung nicht: Bereits Apple hatte mit dem iTunes Store gezeigt, dass das beste Mittel gegen Piraterie attraktive legale Angebote sind. Inzwischen ist nicht nur Apples Download-Angebot hier aber deutlich auf dem absteigenden Ast. Immer weniger Menschen wollen unbedingt Musikdateien besitzen, wenn sie doch für den Preis eines Download-Albums pro Monat ständigen Zugriff auf Millionen von Songs haben. Dies betrifft bislang vor allem die jüngeren Menschen - aber in Zukunft werden wahrscheinlich auch Menschen wie ich (Gruppe „alter Sack Ü40“) deutlich mehr streamen statt kaufen. Aktuell ist zumindest für mich persönlich Spotify nur eine Ergänzung zu meiner Musik-Bibliothek in iTunes. Eine Ergänzung, die mir hilft viel neue Musik zu entdecken und sehr oft zu einem Kauf führt.

Marte Thorsby von der IFPI Norge freut sich zwar darüber, Musik-Piraterie in Norwegen praktisch ausgerottet zu haben und sieht die Musikindustrie wieder auf einer gesunden ökonomischen Basis, aber Streaming stüne erst am Anfang und sie erwartet noch einige Änderungen für die nächsten Jahre:

We have managed to reintroduce a healthy economy in music industry. We must simultaneously not forget that we are only in streaming’s infancy, and that we will probably see major changes in the coming years.

Younger audiences are using streaming services to the greatest extent. When older audiences [start] embracing these services we will probably see a somewhat different distribution of revenues. Hopefully this will also involve a better economy for several Norwegian artists and record companies.

All of us who work with this every day want a healthy and fair economy in our industry. It is our main task in the exciting years ahead of us.

So erfreulich diese Entwicklung natürlich ist, Probleme gibt es weiterhin. Die Frage der Verteilung des Geldes aus den Abogebühren ist da nur die derzeit am lautesten geäußerte Frage, die uns aber mit Sicherheit noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird.

MusicBusiness Worldwide, via MobileGeeks

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