Ich bin schon seit einigen Jahren ein großer Fan des Films „Hedwig And The Angry Inch“, hatte aber das Musical noch nie gesehen - dafür aber den Soundtrack mit Neil Patrick Harris in der Rolle der Hedwig verschlungen, als das Musical 2014 aufgeführt wurde und im gleichen Jahr sogar einen Tony-Award gewann. Ich war natürlich total aus dem Häuschen, als ich hörte, dass das Rock-Musical aus New York von Off-Musical Frankfurt, einem jungen Produktionsunternehmen für Musicals, in der Großstadt Frankfurt wiederbelebt werden sollte. Aber kann das denn funktionieren? In Frankfurt? Hinter Off-Musical Frankfurt stecken Marina Pundt und Stephan Huber mit einem wahnsinnig kompetenten Team, das Berge versetzen und Menschen begeistern kann.

Und natürlich war ich neugierig, wer denn nun Hedwig und Yitzak verkörpern darf. Als Hedwig wurde Michael Kargus ausgewählt, ein gebürtiger Frankfurter, der im Showbusiness schon reichlich Erfahrungen sammeln konnte und den Charakter mit seiner kantigen und leicht bissigen Art wahrscheinlich absolut glaubwürdig rüberbringen kann. Alternierend schlüpft Lukas Witzel in die Rolle der Hedwig. Ein sehr junges Talent, dem sich mit seiner Ausbildung, seiner Hauptrolle bei „Tick, Tick BOOM!“ im letzten Jahr und gerade nach dieser Rolle sicher noch viele Türen öffnen werden. Er wirkt auf den ersten Blick sanfter und weniger kantig. 2017 war er übrigens unter den Preisträgern beim MUT-Wettbewerb in München. Und in die Rolle des Yitzak schlüpft die talentierte und stimmgewaltige Kathrin Hanak aus Wien, die auch schon reichlich Bühnenerfahrung sammeln konnte.

© Agnes Wiener / Niklas Wagner

Von den Darstellern kannte ich vorher keinen einzigen, auf das Musical ansich war ich aber schon sehr neugierig, also ab nach Frankfurt. Es wurde die Vorstellung am 18.11.2017, die Auswahl war unabhängig davon, ob wir nun Michael Kargus oder Lukas Witzel als Hedwig sehen würden. Es stellte sich heraus, dass wir Lukas „erwischt“ hatten und ich war natürlich gespannt, wie er sich so auf der Bühne schlagen würde. Vergleichswerte mit anderen Darstellern - ausser der „Ur-Hedwig“ John Cameron Mitchell – oder anderen Aufführungen habe ich leider keine, aber ich denke, man muss auch nicht unbedingt einen Vergleich ziehen, denn jeder Darsteller wird der Chanteuse aus Ost-Berlin seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken.

© Agnes Wiener / Niklas Wagner

Kurz bevor wir die Brotfabrik erreichten, erreichte mich die Nachricht, dass das Musical an dem Abend ausverkauft sei. Wahnsinn! Die Vorfreude stieg, denn in einem vollen Haus ist die Stimmung noch geiler. Nach ein paar lieben Gesprächen mit dem Team von Off-Musical Frankfurt und einem Besuch am Merch-Stand, bei dem ich mir noch einen Original-Angry-Jute-Beutel besorgte, um auch das Programmheft stilvoll unterbringen zu können, suchten unsere Plätze in der Mitte der Brotfabrik-Halle. Ich verzichtete beim Ticketkauf dankend auf die ersten Reihen, denn ich dachte mir, dass gerade Hedwig da einen riesen Spaß dran hätte, die Leute auf den vorderen Plätzen in die Show mit einzubeziehen. Man kennt das ja 😉 Dass ein Sitzplatz am Rand des Mittelgangs allerdings auch sehr „gefährlich“ sein kann, stellte ich dann später fest.

Das Bühnenbild war recht einfach gehalten mit der kompletten Band (deren Schlagzeuger man nicht füttern durfte), einem Kleiderständer, diversen Bierkästen, dem Radio und Hedwigs Schmink-Kommode. Während sich das Publikum bei der freien Platzwahl seine Plätze zusammen suchte und sich noch mit Getränken versorgte, nutze die Band die Gelegenheit, noch ein wenig Drehbuch-Soundcheck zu machen. Und auch Yitzak war schon zu sehen. Aber noch keine Spur von Hedwig.

Dann ging es endlich los und Hedwig betrat die Bühne, nachdem sie von Yitzak entsprechend angekündigt wurde. Vor uns stand eine bezaubernde Hedwig in dunkelgrünem Samtkleid und Stöckelschuhen, in denen ich mich mit Sicherheit schon beim Anziehen etliche Male überschlagen hätte. Ein fast schon divenhaftes Erscheinungsbild, allerdings mit dem gewohnt lockeren Mundwerk. Weniger kantig und bissig, wie anfangs vermutet, dafür aber wahnsinnig vorlaut, mutig und gleichzeitig sehr vertraut. Es dauert nicht lange, da hatte Lukas alias Hedwig das Publikum fest im Griff. Und auch Kathrin alias Yitzak steigerte sich von Minute zu Minute und sorgte mit ihrer Gesangsstimme für offenstehende Münder und eine dicke Gänsehaut. Es ist fantastisch, wie sehr die Band und die Darsteller gemeinsam die Brotfabrik gerockt haben und wie viel man mit einem sich nicht verändernden Bühnenbild anstellen kann. Wir waren gefesselt und ein Teil des Ganzen – so fühlten wir uns jedenfalls. Man wollte mitsingen, aufstehen und mittanzen. Wahnsinn!

© Agnes Wiener / Niklas Wagner

Hedwig war elegant, unglaublich sexy, redegewand und dennoch mit Vorsicht zu genießen. Unterschätze nie die Länge des Mikrofonkabels – ehe man sich versieht, hat man ein Mikrofon im Gesicht und das werde ich bestimmt so schnell nicht mehr vergessen. Im Nachhinein muss ich jedenfalls immer wieder herzlich drüber lachen, wenn ich daran denke. Nach 120 Minuten war leider alles vorbei. Am Ende der Show war die Brotfabrik am Kochen, das Publikum stand und klatschte sich die Hände wund. Die Darsteller mussten mindestens drei Mal zurück auf die Bühne, um sich zu verbeugen. Eine Spitzenleistung von allen Beteiligten und ich hätte jetzt Lust, mir die von Lukas und Kathrin gesungenen Songs immer und immer wieder anzuhören. Ich kann nicht beschreiben, was die beiden in Begleitung ihrer wahnsinnig krassen Band da gemacht haben, aber ich hatte Gänsehaut am laufenden Band.

Ich habe mir überlegt, ob ich mir zum Vergleich jetzt im Januar noch Michael Kargus in der Rolle der Hedwig anschauen soll. Einfach, weil ich mir das Musical gerne noch einmal anschauen würde und dann auch Michael eine Chance geben will. Wenn ich mir seinen Trailer anschaue, dann überlege ich jetzt schon, wie er Hedwig wohl auf der Bühne auslebt. Lukas jedenfalls hat uns absolut überzeugt und ich hoffe, dieses Musical ist ein Sprungbrett für ihn. Danke für alles!

Am 17.12. und 19.1. habt Ihr noch die Chance Lukas als Hedwig auf der Bühne zu sehen.

Hier die restlichen Termine:

  • 15.12.2017, 20 Uhr
  • 16.12.2017, 20 Uhr
  • 17.12.2017, 19 Uhr
  • 19.01.2018, 20 Uhr
  • 20.01.2018, 20 Uhr
  • 21.01.2018, 19 Uhr

Weitere Infos auf der Website des Musicals. Tickets gibt es im Vorverkauf unter anderem bei unserem Partner Reservix(*).