Was ein Coup: U2 bringen überraschend ihr neues Album „Songs of Innocence“ raus - welches ich persönlich nun gar nicht ganz so schlecht finde - und Apple kauft sich für eine ungenannte Summe das Recht, dieses Album einen Monat vor dem regulären Release an seine knapp 500 Millionen iTunes-Kunden zu verschenken. Nur hat Apple das Album nicht nur verschenkt, also jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben das Album aus dem Store zu laden, sondern es direkt jedem User zu seinen Einkäufen hinzugefügt. Das bedeutete für einige, dass das Album automatisch auf dem Mac, PC, iPhone, iPod oder iPad gelandet ist. Und wider erwarten hatten nicht alle Apple-Nutzer die Keynote mit der Ankündigung verfolgt und manche waren ziemlich überrascht.

Apple U2

Einige fragten sich, ob ihr Account gehackt wurde (und machten sich vielleicht auch schon Sorgen um ihre intimen Fotos in der iCloud ;)), andere waren einfach nur ratlos, wer oder was denn ein „U2“ sein möge und wieder andere waren schlicht und ergreifend stinksauer und bezeichneten die ganze Aktion als SPAM ;)

Für alle, die so gar nichts mit U2 anfangen können hat Apple nun ein Support-Dokument veröffentlicht, in dem genau beschrieben ist, wie man das Album von den eigenen Geräten und aus dem iTunes-Account entfernt.

Aber die eigentlich interessante Frage ist bei der ganzen Aktion nicht, wie man das Album wieder los wird, sondern eher, was das nun für die Musikindustrie grundsätzlich bedeutet. Verliert Musik durch solche Aktionen weiter an Wert(schätzung)? Wird Musik damit noch mehr zu einem Produkt, mit dem man sich gar nicht mehr wirklich beschäftigt, sondern das man einfach nur gedankenlos konsumiert? Die Befürchtung ist ja nicht ganz neu, schon die Streamingdienste weckten diese bei vielen Menschen. 16 und mehr Millionen Songs für kleines Geld im ständigen Zugriff, teilweise sogar kostenlos gegen ein paar Werbeeinblendungen - welchen Wert soll Musik da noch haben?

Und ich gebe zu, auch mein Umgang mit Musik hat sich geändert. Vor 20 Jahren noch habe ich jedes neue Album regelrecht zelebriert, es wurde in den CD-Player gelegt, das Booklet ausgiebig studiert, während des ersten Durchlaufs… aber dann kam die Digitalisierung bzw. der nächste Schritt der Digitalisierung mit MP3 (und ich gebe zu: Diese Website hier, die zu einem gewissen Übermaß an neuer Musik bei mir führte) und irgendwann war nur noch jedes 10te gekaufte Album eines auf einem physikalischen Tonträger mit Booklet, das Zelebrieren eines neuen Albums wurde damit auch zur Ausnahme… Oder hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert, denn schließlich ist die absolute Zahl der Alben, die ich auf CD kaufe sogar ein bisschen gewachsen in den letzten 20 Jahren. Die ganzen Downloads, die ich dazu noch kaufe sind Alben, die ich vor 20 Jahren vermutlich gar nicht gekauft hätte.

Nö, ich bin echt nicht repräsentativ, dazu ist mir Musik persönlich zu wichtig und mit dem kleinen Magazin hier bin ich in einer Position, die mir Musik in Mengen beschert, die sich ein normaler Fan gar nicht leisten kann. Aber ich spreche ja durchaus mit anderen Menschen und da habe ich schon den Eindruck, dass es einige gibt, für die Musik nur zur Nebenbeiberieselung da ist: Dank Streamingdiensten hört man ständig reichlich Musik ohne sich darüber Gedanken zu machen, was genau man eigentlich hört. Oder sind sie einfach die moderne Version der „Ich kaufe keine Musik, ich habe doch Radio“-Menschen von vor 20 Jahren?

Was ist Euch Musik (noch) wert? Kauft Ihr noch oder streamt Ihr nur noch? Warum kauft Ihr noch oder eben auch nicht mehr?

6 Responses

  1. iTunes: Wie man U2 wieder los wird | Mobilegeeks.de | Allgemein

    […] Offensichtlich hatte Apple nicht wirklich damit gerechnet, dass es Menschen geben könnte, die ein geschenktes Album von U2 partout nicht wollen. Und unter’m Strich scheint sich die Aktion ja sowohl für Apple als auch U2 gelohnt zu haben – so viel wird selten über ein neues Album von U2 geschrieben und offensichtlich sind einige iTunes-Nutzer neugierig geworden und beförderten ältere U2-Veröffentlichungen auch direkt in die iTunes-Charts. Aber darum soll es nicht gehen, auch nicht um die Fragen nach dem Wert von Musik (die habe ich an anderer, passenderer Stelle mal in den Raum gestellt). […]

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