So kann man Ostern auch verbringen: Einfach mal drei Tage mit J.B.O. quer durch Deutschland fahren. Von Magdeburg (Samstag) nach Freiberg (Sonntag) und dann nach Saarbrücken (Montag). In meinem Fall bedeutete das zurück nach Saarbrücken, denn hier startete natürlich meine persönliche Oster-Rundreise. Und dann folgten drei Tage Dauerbesäufnis, oder? Nö. Es gibt zwar tatsächlich immer noch Menschen, die sich die Tour einer Band so vorstellen, aber seid lieber mal froh, dass das nicht die Regel ist. Natürlich wird auch gefeiert, aber gerade hier gilt der Spruch „Wer abends saufen kann, der kann auch am nächsten Tag arbeiten“. Viel Zeit für Party bleibt einfach nicht, wenn man irgendwann zwischen 1 und 2 ins Hotel kommt und morgens zwischen 6 und 8 weiter fährt. Okay, die Band ist abends normalerweise früher im Hotel und fährt dafür morgens später weiter, damit die Musiker beim Ab- und Aufbau nicht im Weg rumstehen ;)

J.B.O. in Saarbrücken 2016 - Symphonie der Verstopfung - Foto: Carsten Dobschat

J.B.O. in Saarbrücken 2016 - Symphonie der Verstopfung - Foto: Carsten Dobschat

Gefahren wird mit drei Fahrzeugen: Die Band und ein Showman fahren in einem Wagen, die Crew in einem und für die ganze Technik fährt noch ein LKW. Der LKW startet immer zuerst, zum einen weil er langsamer ist, zum anderen natürlich, weil ohne die ganze Technik im LKW kein Konzert stattfinden würde. Die Crew fährt etwas später ab, aber das ist so abgestimmt, dass sie etwa zeitgleich mit dem LKW am Venue ankommen. Am Osterwochenende bestand die Roadcrew aus acht Leuten, also zwei Mann Crew pro Bandmitglied - und ich eben. Mein Job war dabei definitiv der einfachste: Fotos machen :) Tatsächlich finde ich es immer wieder faszinierend, wie gut das alles funktioniert, denn vor Ort sind ja immer wieder andere Menschen, mit denen man zusammen arbeiten muss, jede Bühne ist anders, die Technik vor Ort ist unterschiedlich usw. Zwar wird vorab natürlich geklärt, was genau vor Ort da ist, da zu sein hat und wie viele Menschen zum Beispiel für das Aus- und Einladen gebraucht werden, aber es kommt oft genug vor, dass es eben doch nicht hinhaut. Zwar nicht an diesem Wochenende, aber bei anderen Gelegenheiten war durchaus auch mal der Satz „Ach, das war ernst gemeint in der Anforderungsliste?“ vom lokalen Veranstalter zu vernehmen.

Das sind Situationen, die ein Tourleiter liebt - in diesem Fall Frank. Übrigens: Frank veröffentlicht bei Facebook auch immer mal wieder Fotos von der Tour, zum Beispiel vom Essen oder den Hotelzimmern. Wer an so etwas interessiert ist, der sollte ihn mal abonnieren. Ähnlich beliebte Situationen sind beim Abbau im Weg stehende Menschen oder der Running-Gag des Wochenendes: „Weißt du, wer den Autoschlüssel hat?“. Oder aber nicht funktionierende Zimmerkarten in einem Hotel ohne Nachtrezeption - 12 Karten und nur die von Frank wollte einfach nicht. Mein Angebot das zweite Bett in meinem Zimmer zu nutzen schlug er aus, nachdem ich seine Frage „Schnarchst du?“ ehrlich beantwortet hatte (die korrekte Antwort auf diese Frage lautet übrigens: „Manchmal so laut, dass ich selbst davon aufwache…“).

Hotels sind überhaupt immer wieder ein Erlebnis. Auf so einer Tour landet man ja in den unterschiedlichsten Unterkünften: Vom „Sleep & Go“ bis hin zu einer 4-Sterne-Herberge. Den Preis für das beste Hotel bei diesem Tourblock teilen sich ohne Frage Freiberg und Saarbrücken - dagegen konnte das „Sleep & Go“ einfach nicht ankommen, trotz der kreativen Idee die Gäste morgens wachzukärchern… Normalerweise putze ich mir meine Zähne ja morgens unter der Dusche, in diesem Fall hatte ich aber Angst beim Spülen Zähne zu verlieren. Übrigens auch eine richtig tolle Idee: Hotelzimmer mit nur einer Steckdose. Überhaupt ist das ein sehr deutlicher Unterschied zur ersten J.B.O. Tour, die ich mitgefahren bin: Damals™, Ende der 90er,  war ich der Einzige, der irgendwie ständig auf der Suche nach Strom und einer Möglichkeit online zu gehen war - inzwischen werden die Steckdosen von der Crew und ihren Smartphones förmlich belagert und die Zettel mit der Info zum lokalen WLAN werden noch vor dem Wegweiser zum Catering aufgehängt.

Dass die Band vom Showman René (auch bekannt als Der Ente) gefahren wird, ist ganz bestimmt kein Zufall. Wer ihn mal zusammen mit Sandy (Sandy Sahne) erlebt hat und sich dann vorstellt, man würde eine Fahrt auf begrenztem Raum über mehrere Stunden mit beiden zusammen verbringen… Jeder für sich ist schon ein nicht versiegender Quell an Wortspielen und verrückten Ideen bis zur humoristischen Schmerzgrenze, die in beide Richtungen auch überschritten wird, aber zusammen addieren sich diese Ideen nicht einfach, es handelt sich hier um eine exponentielle Steigerung - je länger die beiden in einem Raum sind, desto heftiger wird es. Aber die Bühnen-Show der beiden wäre mit Sicherheit nicht so großartig, wenn die beiden nicht so wären, wie sie eben sind.

Überhaupt die Show: Klar, man erwartet keine großartigen neuen Gags, immerhin ist die Explizite Lyrik schon über 20 Jahre alt. Da das Album zum ersten Mal komplett am Stück live gespielt wird, sind natürlich einige nette neue Sachen dabei. Wer die Tour noch nicht gesehen hat, der sollte auf jeden Fall eine der letzten Chancen nutzen, dies zu tun! Ich werde inzwischen mal die Fotos von den drei Konzerten weiter sortieren - sind ja nur ein paar… tausend… :)

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