Dieses Mal fällt es mir wirklich schwer, eine Rezension zu schreiben und das liegt nicht am tollen Wetter draussen. Lord Of The Lost aus dem kühlen Norden haben uns in den letzten Jahre immer wieder aufs Neue überrascht. Kennengelernt habe ich die Band als Düsterrock-Band, die sich ab und zu auch gerne selbst nicht allzu ernst nimmt - wie man in den TV Of The Lost-Folgen gut erkennen kann. Nun kamen nach den typischen Lord Of The Lost Alben - wenn ich die mal so nennen darf - auch mal die “Swan Songs” und “Swan Symphonies” auf den Markt, bei denen es ja eher weniger rockig zugeht, dann folgte die EP “Full Metal Whore”, bei der wieder kräftig Gas gegeben wurde und dann wurde wieder mit einer akustischen CD abgebremst. Diesmal Live und mit Orchester. Das Orchester-Ding scheint den Jungs so gut zu gefallen, dass sie gerne mal mit Ensemble auftreten - so wie auf dem Castle Rock-Festival (wir berichteten).

Cover: Lord Of The Lost - Empyrean

Ja, was nun? Seit “Full Metal Whore” und "The Love Of God" habe ich auf ein fettes Metal-Album gehofft, was einem so richtig das Schmalz aus den Ohren und den Kalk aus den Hirnwindungen kloppt. Und was haben wir mit “Empyrean” nun bekommen? Genau das - nur ein wenig anders, als ich es erwartet hätte. Wesentlich elektronischer - also eigentlich mit genau den Elementen, die den Fans von Combichrist bei deren neuen Platte fehlen. Da haben Lord Of The Lost ordentlich drauf gelegt. Das heisst, die harten Metal-Attacken, die wir so von den Jungs gewohnt sind, sind zwar noch da, werden aber von einem dominanten, elektronischen Fundament gestützt, für das sich Lord Of The Lost die Berliner Electro-Band Formalin als Co-Produzenten ins Boot geholt haben. Zusätzlich hören wir noch epische Choral-Refrains im Stile der goldenen Ära des Glam-Rock (wieso muss ich jetzt an Chris Harms Zeiten in der Band The Pleasures denken?), ein Duett mit der Newcomerin Scarlet Dorn im monolithischen Rocker „Black Oxide“, harte Industrial-Metal-Attacken, düstere Passagen und Prog-Anleihen. Das alles verbindet sich zu einem Gesamtwerk, das einen förmlich in die Geschichte hineinzieht.

Ich gebe zu, die Geschichte hinter dem Ganzen ist jetzt nicht das, worauf ich am meisten achte. Ich lasse mich lieber gleich vom Opener “Miss Machine” ins Album ziehen - ein wirklich starker Opener und der nächste Song “Drag Me To Hell” ist auch einer meiner absoluten Favoriten - schön, dass hierzu auch ein Video gedreht wurde.

Nach den beiden absolut starken Openern kommt das bekannte “The Love Of God”, was irgendwie etwas aus der Reihe tanzt - wenn man das Konzept nun komplett betrachtet. Harte Gitarrenriffs treffen auf eher noch dezent eingesetzte elektronische Parts. Was aber immer noch dominant ist und hoffentlich nie verschwinden wird ist der charismatisch düstere Gesang von Frontmann Chris Harms, dessen Stimme gar nicht mehr wegzudenken ist. “Raining Stars” ist neben “Miss Machine” mein absoluter Favorit und erinnert stellenweise an “Schwarze Witwe” von Eisbrecher. Der Refrain ist ein echter Ohrwurm, der live hoffentlich anständig mitgesungen wird. Gänsehaut! Ähnlich melodiös geht es mit “In Silence” weiter. Sphärische Klänge treffen auf Gitarren und Synthies.

Ich will jetzt nicht jeden Song auseinandernehmen und analysieren - das würde ich mir erstens nicht zutrauen, es würde ausserdem das ganze Album tot analysieren und diese Rezension sprengen. Legt das Album ein, hört es Euch an und lehnt Euch zurück. Ihr werdet es nicht bereuen.

Von mir gibt es für “Empyrean” volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Lord Of The Lost haben nach einigen Ausflügen ihre musikalische Richtung gefunden und werden mit Sicherheit keinen Fan enttäuschen. So kann es gerne weitergehen - aber es wären nicht Lord Of The Lost, wenn sie nicht immer mal wieder was Neues ausprobieren. Gehört ja auch dazu. Wenn sich das Ergebnis so anhört, dann haben wir eh nichts dagegen.

Line-Up:

  • Chris Harms - Vocals, Guitar, Cello
  • Bo Six - Guitar
  • Class Grenayde - Bass
  • Gared Dirge - Piano, Synthesizer, Percussion, Guitar
  • Tobias Mertens - Drums

Track Listing CD 1: "Empyrean"

  1. Miss Machine
  2. Drag Me To Hell
  3. The Love Of God
  4. Raining Stars
  5. In Silence
  6. Black Oxide (feat. Scarlet Dorn)
  7. Interstellar Wars
  8. Doomsday Disco
  9. Death Penalty
  10. No Gods, No War
  11. The Interplay Of Life And Death
  12. Utopya
  13. Where Is All The Love

Track Listing CD 2: „The Final Chapter Of Mankind“

  1. Adonai
  2. Lament For The Condemned
  3. Now We Are The Aliens
  4. Lost In Oblivion
  5. Traveller's Wounds
  6. Wishing On A Scar

DVD „The Videos“

  1. Dry the Rain
  2. Last Words
  3. Sex on Legs
  4. Prison
  5. Die Tomorrow
  6. Credo
  7. Afterlife
  8. La Bomba
  9. Six Feet Underground
  10. Kingdom Come
  11. Lost In A Heartbeat
  12. Full Metal Whore
  13. The Love of God
  14. Making Of „Dry The Rain“
  15. Making Of „Last Words“
  16. Making Of „Die Tomorrow“

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10 von 10 Punkten
Lord Of The Lost - Empyrean
Von mir gibt es für “Empyrean” volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Lord Of The Lost haben nach einigen Ausflügen ihre musikalische Richtung gefunden und werden mit Sicherheit keinen Fan enttäuschen.

Empyrean von Lord Of The Lost wurde am 29.07.2016 über Out Of Line Music veröffentlicht.

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