Nicht immer hält ein Festival, was die Vorfreude verspricht, manchmal ist es noch schlimmer. In Sachen „enttäuschender Festivalbesuch“ hat Michael Holtschulte (tot aber lustig) seine Erfahrungen beim gestrigen Vainstream Rockfest aufgeschrieben, die wir hier einfach auch zur Diskussion stellen wollen, denn er war ja ganz offensichtlich nicht der einzige Besucher des Festival 😉


Ich hatte gestern das zweifelhafte Vergnügen das Vainstream Rockfest 2018 in Münster zu besuchen.

Schon die Anfahrt gestaltete sich kafkaesk, da das Parkleitsystem dreistellige Zahlen von Parkplätzen an verschiedenen Orten anzeigte, diese aber gesperrt waren. Andere freie Parkflächen wurden akribisch von Ordnern bewacht, die fadenscheinige Gründe lieferten, warum diese Flächen frei zu bleiben haben und die Empfehlung gaben, auf dem Parkplatz des nächsten Bauhaus-Baumarktes zu fahren. Sowohl Kunden und Verantwortliche des Baumarktes haben sich bestimmt über derart generöse Gesten der Vainstream-MitarbeiterInnen gefreut.

Für uns ging es letztlich bis zum Hauptbahnhof. Es hatte Gründe, warum unsere Truppe nicht mit dem Zug gefahren ist, es war dann aber schön, doch noch in den verloren geglaubten Genuss des Spazierganges zu kommen. War ja zugegebenermaßen auch nicht weit. Wenn der Eingang zum Festival vernünftig ausgeschildert gewesen wäre.

So war dann zu beobachten, wie die meisten erst einmal den falschen (Nicht)-Eingang ansteuerten, um dann wieder um die komplette Halle Münsterland zurück zu wandern. Und mit „um“ ist weiträumig gemeint. Der Platz vor der Halle war großzügig mit Flatterband „abgesichert“.

Hatte man diese Quest erfolgreich hinter sich gebracht, folgte die nächste Ernüchterung. Statt eines familiären Festivals, das ich mir aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen aufgrund der Eigenwerbung ausgemalt hatte, war bereits am frühen Mittag kein Durchkommen mehr. Die Menschenmassen erzeugten direkt ein Gefühl der Unsicherheit. Ein schlimmer Verdacht kam auf. Hatte der Veranstalter aufgrund der verschiedenen Bühnen einfach den vorhandenen theoretischen Platz zur Grundlage der zulässigen Menschenmenge gemacht?

 

Grundsätzlich ist es ja lobenswert, dass man die Bühnen abwechselnd bespielt, damit man sich nicht wie auf anderen Festivals zwischen Bands entscheiden muss. Aber, oh Wunder, die Menschen, die mit Müh und Not vor drei Bühnen Platz finden, wollen dann alle vor einer Bühne stehen.  Welch Ü b e r r a s c h u n g !

Wollte man nach hinten ausweichen, musste man sich beschwerlich durch die Menge schieben. Nicht auszudenken, was bei einer Massenpanik hätte passieren können.

Schnell war aber zu merken, dass hinten stehen auch keine Option war. Nach wenigen Metern wurde die Sicht auf die Bühnen bereits durch Bierwagen, Bäume und die beiden dekorativ großen Türme der Soundtechnik versperrt. Gerade letztere hätte man sich komplett sparen können. Ein tauber Schimpanse hätte hinter der Bühne auf dem Mischpult tanzend einen besseren Sound hinbekommen.
Nach dem Auftritt von Boysetsfire gestern hätte man niemals die Vermutung gehabt, dass das eine Gitarrenband ist. Akustisch jetzt. Zu sehen war ja sowieso nichts.

Bezeichnenderweise hatte die kleinste der drei Bühnen den besten Sound, bei dem sogar die unterschiedlichen Effekte der Gitarre bei Kadavar zu unterscheiden waren. Symbolisch steht das dafür, dass gewisse Dinge vielleicht in einem etwas kleinerem Rahmen besser zu beherrschen sind. Schade, dass dieser Geist durch die Gier eines Veranstalters und zu viele verkaufte Tickets verloren geht.

Gastbeitrag: Zweifelhaftes FestivalvergnügenSymbolisch steht auch der Pisseteich für den Gigantismus des Veranstalters. Bereits mittags stand im Pissoirbereich knöcheltief das Urin, weil man wohl nicht damit gerechnet hatte, dass viele Männer viel pissen müssen. Also lief alles über. Auswechseln? Fehlanzeige. Da relativierte sich meine Beobachtung kurz zuvor, dass es auf Festivals immer dieses eine Arschloch gibt, dass direkt neben freien Pissoirs steht und gegen den Zaun strullt. Kurze Zeit später landete eh alles auf dem Boden.

Bei der prallen Sonne wären auch mehr Möglichkeiten wünschenswert gewesen, sich schattig unterzustellen und mehr Ausgabestellen für Trinkwasser wären auch angebracht gewesen.  Habe ich „mehr“ geschrieben? Die angekündigten Ausgabestellen stellten sich als Toilettenwagen heraus. Man hatte wahrscheinlich einfach nur die „Kein Trinkwasser“-Schilder entfernt. Muss man erst mal drauf kommen.
Gespart wurde nicht nur am Platz für die Besucher, sondern auch an dem, worauf selbige standen. Mir muss mal jemand erklären, wie man im Bereich vor der Bühne Brennnesselsträucher stehen lassen kann. Im Gedränge bin ich natürlich direkt reingetreten. Meine Wade pocht jetzt noch. Gestern hatte ich dadurch wenigstens überhaupt irgendein Gefühl, nachdem sich relativ früh Verbitterung breit gemacht hatte.

Leider setzte sich diese Naturverbundenheit des Veranstalters nicht bei den Getränkebehältern durch. Was dort an oft nur halbgefüllten (!) Plastik über die Theke ging und im Anschluss auf dem Boden landete, ist erschütternd. Die Menschen am Stand von Sea Shepherd Deutschland, einer Organisation, die sich für den Meeresschutz einsetzt, wird das sicherlich gefreut haben. Anschaulicher kann man das nicht machen, dass Plastik in der Botanik gar nicht mal so gut aussieht.

Gastbeitrag: Zweifelhaftes Festivalvergnügen

Dass bereits vor oder während des Auftritts der Beatsteaks so viele Menschen nach Hause flüchteten, steht für sich. Leider wurde es dadurch kein bisschen leerer auf dem Gelände. Um den Abend nicht mit so einer durchgehenden Enttäuschung enden zu lassen, ging es noch zum „ExtraSchicht - Die Nacht der Industriekultur-Programm“ auf Schlägel und Eisen in Herten. Und siehe da, dort gab es auch guten Sound von der Bühne. Vielleicht können die TontechnikerInnen des Vainstreams dort wegen ein paar Nachhilfestunden nachfragen.

Wünschenswert wäre es für die zahlreichen Opfer, die nächstes Jahr nach Münster pilgern.

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