Das vierte Studioalbum bringen Steel Panther mit „Lower The Bar“ auf den Markt und nicht wenige fragen sich wahrscheinlich, ob der Name in diesem Fall Programm sein könnte. „Lower The Bar“ bedeutet ja eben auch die „Messlatte tiefer legen“ (Hihihi, er hat Latte geschrieben). Steel Panther sind ja auch nicht unbedingt für eine große thematische Bandbreite in ihren Texten bekannt und seien wir ehrlich: Wie viele Songs kann man über Größe, Form, Geruch und Benutzung von Vaginen machen, bevor es ausgelutscht ist (man verzeihe mir dieses Wortspiel)? Auf der anderen Seite zweifelten viele schon nach dem zweiten Album, ob den Vieren noch weitere Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsteil einfallen würden und zumindest diese Zweifel darf man nun als unbegründet zur Seite legen.

Was aber liefert das neue Album? Kurz zusammengefasst: Bekannte Kost. Metal in der Geschmacksrichtung 80er/Glam/Hair mit Texten, die man mit der gehörigen Portion Humor und im Kontext der ganzen Show sehen sollte. Wer diesen Rat ignoriert, wird wohl über den Sexismus und das steinzeitliche Frauenbild in den Songs schimpfen – wobei ich aber natürlich nicht verschweigen sollte, dass es auch Menschen geben mag, die das alles ernst nehmen und einen solchen Sexismus und steinzeitliches Frauenbild wirklich leben (oder es zumindest versuchen).

Die erste Single-Auskopplung des Albums war – und das ist mal neu – eine Coverversion und zwar „She’s Tight“, das im Original von Cheap Trick ist, deren Sänger Robin Zander auch einen Gastauftritt im Song und zugehörigen Video hat. Es folgten die SinglesAnything Goes“, „Poontang Boomerang“ und „I Got What You Want“. „That’s When You Came In“ ist noch länger bekannt: Der Song war bereits auf „Live from Lexxi’s Mom’s Garage“ zu hören, wurde für das neue Album aber natürlich im Studio frisch aufgenommen. Damit ist schon mal ein ganz feiner Einblick in das Album gegeben, wie bereits erwähnt: weder musikalisch noch textlich gibt es Überraschungen auf „Lower The Bar“. Und spätestens an dieser Stelle scheiden sich wohl die Geister: Während die einen genau eine solche Kontinuität erwarten, dürften andere sich über die mangelnde Entwicklung der Band und die ständige Wiederholung der immer gleichen Themen gelangweilt fühlen. Die Mehrheit der Fans dürfte natürlich ganz klar zur ersten Gruppe gehören. Und sind wir ehrlich: Es ist doch heutzutage auch einfach schön, wenn es noch ein paar Konstanten im Leben gibt und diese Konstante ist im Falle von Steel Panther eben Sex, Drugs & Rock’n’Roll.

Cover: Steel Panther - Lower The Bar

Cover: Steel Panther - Lower The Bar

Tracklist

  1. Goin‘ In The Back Door
  2. Anything Goes
  3. Poontang Boomerang
  4. That’s When You Came In
  5. Wrong Side Of The Tracks (Out In Beverly Hills)
  6. Now The Fun Starts
  7. Pussy Ain’t Free
  8. Wasted Too Much Time
  9. I Got What You Want
  10. Walk Of Shame
  11. She’s Tight
  12. Red Headed Step Child (Bonus-Track)
  13. Momentary Epiphany (Bonus-Track)

Die beiden Bonus-Tracks sind nicht in allen Variationen des Albums enthalten und Variationen gibt es einige, vom Download bis Vinyl – da ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.

Womit haben wir es jetzt also zu tun? Mit einem typischen Steel Panther Album und das ist absolut positiv gemeint. Es sind sowohl musikalisch als auch textlich typische Steel Panther Songs, das gilt auch für „She’s Tight“, den die Band großartig im eigenen Sound interpretiert – es ist aber auch eine gute Gelegenheit mal (wieder) das Original und überhaupt Cheap Trick zu hören.

Aber zurück zum Album: Als Steel Panther Fan weiß man, was einen erwartet, hier muss man die Ansprüche auch nicht reduzieren. Glücklicherweise haben Steel Panther nicht plötzlich ihre ernsthafte Ader entdeckt, sondern sie ziehen konsequent durch, was sie angefangen haben. Das bis ins Groteske überzogene Klischee der sex- und drogenbesessenen Rockstars, schlüpfrige Witze und Zweideutigkeiten, die so zweideutig sind, dass sie schon wieder eindeutig sind. Niveau? Nur musikalisch. Denn auch wenn man die Texte und die Show niveaulos und sexistisch finden kann, am musikalischen Talent und Können der vier Musiker bestehen wohl keine Zweifel.

Wer zum Lachen in den Keller geht oder der Meinung ist, dass Humor doch bitte niveauvoll und jugendfrei sein soll, der macht besser einen ganz großen Bogen um dieses Album und Steel Panther. Wer dagegen das Konzept von Humor und speziell Ironie verstanden hat, der kann sich auch mit diesem Album wieder von Steel Panther unterhalten lassen und sich auf das nächste Konzert freuen, denn wie so oft, gilt auch bei Steel Panther: Am besten live genießen. Und ja, es werden 10 von 10 Punkten - wie bereits geschrieben: Entweder man hasst die Band oder man liebt was sie tun. Und ich gehöre einfach ganz klar in die zweite Gruppe.

Line-up

  • Michael Starr / Vocals
  • Satchel / Guitar, Backing Vocals
  • Lexxi Foxx / Bass, Backing Vocals
  • Stix Zadinia / Drums, Backing Vocals

Das Album kann in verschiedenen Variationen bei den üblichen Musik-Verkäufern erworben werden, also bei iTunes(*) oder Amazon(*) genau so, wie auch direkt bei der Band. Dort gibt es natürlich einige exklusive Packages.

Transparenzinfo: Ja, ich arbeite für die Band, aber Fan war ich zuerst - auch ohne die Arbeit für die Band und ihren Fanclub wäre die Rezension des Albums nicht anders ausgefallen, weil ich einfach liebe, was die machen 🙂 

10 von 10 Punkten
Steel Panther - Lower The Bar
„Lower The Bar“ ist ein typisches Steel Panther Album: Was die Texte an Niveau vermissen lassen, legt die Band musikalisch eben einfach drauf. Auch dieses Album wird die Polarisierung – entweder man liebt die Band oder man hasst sie – nicht beenden, sondern weiter zementieren.

Lower The Bar von Steel Panther wurde am 24.03.2017 über Steel Panther, Inc (rough trade) veröffentlicht.

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Unsere Wertung: 10
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