Die Jungs von den microClocks sind mir bereits 2010 über den Weg gelaufen und da hatte ich das Vergnügen, die Platte “Stars From Diffuse Matter” zu rezensieren. 2011 erschien das zweite Album der Band aus Nordrhein-Westfalen und 2016 sind sie nun mit ihrem dritten Longplayer am Start, der auch wieder seinen Weg in meine Hände und vor allem in meine Ohren gefunden hat. Wieso habe ich eigentlich das Vorgängeralbum nicht gehört? Keine Ahnung. Denn zwischen 2010 und 2016 hat sich bei den Jungs einiges getan: Sie konnten zum Beispiel die Single “Is Anybody Out There?” in den Top 10 der Deutschen Alternative Charts platzieren und spielten 2014 auf dem M’era Luna Festival.

Nur allzu gerne wurden die microClocks in der Vergangenheit mit Depeche Mode verglichen - ja, auch ich habe das damals getan - aber die Jungs sind kein Abklatsch irgendeiner namhaften Band und wollen es auch nicht sein. Hier geht es um den Rock und Pop der 80er Jahre, gewürzt mit Elektronik und Industrial Einflüssen. Die fetten Gitarren aus der Industrial-Schublade und die verspielten Synthie-Elemente funktionieren und weckten so manche Musikredaktion aus ihrem Tiefschlaf. Nach einigen gespielten Konzerten und einem großen Eimer voll positiver Kritik begaben sich die Jungs motiviert erneut ins Studio, um das dritte Album aufzunehmen. “Soon Before Sundown” heisst das gute Stück, welches am 18.11.2016 veröffentlicht wird. Für die erste Auskopplung “The Edge” wurden José Alvarez-Brill (Unheilig, Wolfsheim, De/Vision) und Olaf Wollschläger (Mesh, And One) verpflichtet. Und auch für den letzten Schliff suchte man sich jemanden aus, der wirklich Ahnung von der Sache hat: Hans-Philipp Graf aus den HP Mastering Studios in Hamburg. Dieser arbeitete bereits mit Lord Of The Lost, Joachim Witt oder Stahlmann. Die Lyrics drehen sich dieses Mal um gesellschaftliche Brandthemen wie Werteverfall, falsche Ideale, Verlust von Privatsphäre. Aber auch nachdenkliche, zwischenmenschliche Töne werden angeschlagen – auf dem neuen Album mehr denn je. Und im Gegensatz zum ersten Album verrät schon das Cover-Artwork, in welche Richtung man sich musikalisch bewegt. Zum Inhalt der Songs zitiere ich am Besten einen kurzen Abschnitt aus der Bandinfo:

“Kurz vor Sonnenuntergang - alles glänzt golden, Zwerge werden zu Riesen und selbst Kiesel werfen riesige Schatten. Doch die Schönheit des Vergehens trügt über die drohende Gefahr hinweg. Im Halbdunkel lauern Kreaturen sabbernd und geifernd darauf, den Thron zu entern. Und wir stehen irgendwo in Zeit und Raum an der Grenze zwischen goldglänzendem Licht und ungreifbarer Dunkelheit.

microClocks thematisiert diese sagenhafte, gruselige Allegorie auf unsere Welt im neuen Werk "Soon Before Sundown". Eine Welt, in der Trugbild zu Realität und Nebensächliches zum Status Quo erhoben wird. Eine Welt, in der Kleingeister zu Rädelsführern werden, die nur darauf warten, die Macht an sich reißen zu können.

Was sich seit Jahrtausenden durch die Menschheitsgeschichte zieht, ist aus Sicht der Band aus dem Ruhrgebiet aktueller denn je. Jede Hochkultur ist irgendwann zum Untergang verdammt. Ob durch Hochmut oder Unachtsamkeit, ob von innen oder außen bestimmt.”

Die Jungs sind reifer geworden, sie haben ihren Weg gefunden. Und egal ob härtere Gitarrenriffs (“white rabbit”, “to a friend”, “raptor”), elektronische Elemente oder gefühlvolle Balladen (“nothing but a thought”): microClocks schaffen es eine Mischung abzuliefern, die einen mitreisst. Sänger JT schafft es passend zur Stimmung und Aggression der Songs jedes Gefühl rüberzubringen. Mal harmonisch, mal druckvoller und rauher. Einzig und allein die Betonung ist an einigen Stellen etwas zu viel des Guten - meiner Meinung nach. Aber vielleicht ist es gerade das, was fehlen würde, wenn man es weglässt. So bleibt es authentisch und drückt dem Ganzen noch den microClocks-Stempel auf.

Cover: microClocks - Soon Before SundownLine-Up:

  • JT - Vox
  • Stevie Jay - Keys / Backing Vox
  • Marc Dorman - Guitars / Backing Vox
  • Daniel "Butcher" Stieber - Drums

Tracklist:

  1. follow
  2. the 
white rabbit
  3. soon before sundown
  4. love's end
  5. the edge (Album Version)
  6. here i am
  7. life is grim
  8. confession
  9. nothing but a thought
  10. to a friend
  11. raptor
9 von 10 Punkten
microClocks - Soon Before Sundown
Die Jungs sind reifer geworden, sie haben ihren Weg gefunden. Und egal ob härtere Gitarrenriffs (“white rabbit”, “to a friend”, “raptor”), elektronische Elemente oder gefühlvolle Balladen (“nothing but a thought”): microClocks schaffen es eine Mischung abzuliefern, die einen mitreisst. Sänger JT schafft es passend zur Stimmung und Aggression der Songs jedes Gefühl rüberzubringen. Mal harmonisch, mal druckvoller und rauher. Einzig und allein die Betonung ist an einigen Stellen etwas zu viel des Guten - meiner Meinung nach. Aber vielleicht ist es gerade das, was fehlen würde, wenn man es weglässt. So bleibt es authentisch und drückt dem Ganzen noch den microClocks-Stempel auf.

Soon Before Sundown von microClocks wurde am 18.11.2016 über Echozone (Soulfood) veröffentlicht.

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